vom 11. Juni 2010Kirche auf dem Weg zur Wahrheit Wunibald Müller sprach über „Sexuellen Missbrauch erkennen und verhindern“ Von unserem Mitarbeiter
MANFRED HERKER
Schweinfurt In einem von fundierter Sachkenntnis, großer Erfahrung als Psychotherapeut und Seelsorger und tiefer Menschlichkeit geprägten Vortrag sprach im vollbesetzten Gemeindesaal St. Kilian der Psychologe und Theologe Wunibald Müller. Sein brisantes Thema: „Verschwiegene Wunden. Sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche erkennen und verhindern“.
Schweigen könne etwas Schönes sein, etwa um mit sich in Berührung zu kommen, Gott zu erspüren, beginnt Müller. Verschweigen dagegen könne verheerende Folgen haben: Verschwiegene Wunden eitern vor sich hin, können nicht heilen“. Was zurzeit in der katholischen Kirche im Zusammenhang mit dem Missbrauch Minderjähriger durch Priester geschehe, sein ein Prozess, der das Verschweigen von Missbrauchswunden zu unterbrechen versuche, um sie zu heilen.
Zur Prävention von sexuellen Übergriffen ist es wichtig, sensibel und hellhörig dafür zu sein, was nach potenziellem Missbrauch „riecht“. Von sexuellem Missbrauch spricht man, wenn die sexuelle Intimsphäre einer Person überschritten wird. Von jemandem, der emotional, körperlich oder spirituell Einfluss auf diese Person ausübt.
Als Risikofaktoren für sexuellen Missbrauch im kirchlichen Bereich nennt Müller: sexuell unreife homosexuelle oder bisexuelle Männer, Personen mit Defiziten in der sexuellen Entwicklung und geringer Fähigkeit zu Intimität, negative Erfahrungen in der Kindheit, gravierende psychische Probleme, eine narzistische Persönlichkeitsstruktur. Warnzeichen sei oft eine auffallend große Nähe und häufiger Umgang mit Kindern, verbunden mit einer mangelnden Beziehung zu Gleichaltrigen.
All das könne auf Pädophilie hinweisen, Müller warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen. Für die entscheidende Auswahl der Ordenskandidaten genüge kein oberflächliches Kennen. Ein sorgfältiger Ausleseprozess mit Einbeziehung von psychologischen Fachleuten, und gegebenenfalls auch Tests, sei und bleibe ein Muss. Die psychosexuelle Vergangenheit des Kandidaten sei zu prüfen: etwa die Frage nach seiner Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und Identifikationsfindung (bin ich hetero-, homo- oder bisexuell?).
Einen direkten Zusammenhang zwischen Zölibat und sexuellem Missbrauch sieht Müller nicht: Wer pädophil veranlagt sein, den schütze weder der Zölibat noch die Ehe. Dennoch hält er eine Lockerung des Zölibats für notwendig. Komplizierter sei der Zusammenhang zwischen Pädophilie und Homosexualität. Nicht der homosexuelle Priester an sich sei in besonderer Weise anfällig für Pädophilie, sondern ein sexueller unreifer homosexueller Ordensmann, der seine Veranlagung nie angenommen habe. Zu dieser Vermeidungstaktik trage die Tabuisierung von Homosexualität in der katholischen Kirche zusätzlich bei.
Trotz der Entscheidung des Vatikans, in Zukunft keine homosexuellen Männer zum Priesteramt zuzulassen, plädiert Müller aus seiner Erfahrung für das Gegenteil: Die Kirche müsse ihre homosexuellen Priester und Ordensleute nicht verstecken. Auf viele von ihnen könne sie stolz sein, auf ihre ausgezeichnete Arbeit, auf ihr Charisma. Habe sich ein schwuler Kandidat ernsthaft mit seiner Sexualität auseinandergesetzt, seine Homosexualität angenommen, und erfülle er alle Voraussetzungen, die auch für einen Heterosexuellen gelten, könne er zum Priester geweiht werden. Die Diskussion über solche Fragen solle im kirchlichen Kontext einhergehen, mit der Bereitschaft, sich offener, wahrhaftiger und menschenfreundlicher mit dem Thema Homosexualität zu befassen und homosexuellen Menschen entsprechend zu begegnen.
Die erste Verantwortung der Kirche aber gelte den Opfern sexuellen Missbrauchs. Sie müssten noch mehr ermutigt werden, die ihnen zugefügten Wunden nicht länger zu verschweigen. Die Kirche müsse auf die Opfer zugehen, das Taktieren, Vertuschen, Abstreiten müsse ein Ende haben. Vieles habe sich schon zum Positiven verändert. Opfer seien im Weiteren auch Angehörige, die Mitbrüder, Mitarbeiter, die Gemeinden – doch niemand solle sich in diese Opferrolle treiben lassen.
Schließlich habe die Kirche auch den Tätern gegenüber eine Verantwortung. „Es ist ein Mitmensch, ein Kind Gottes, das der Zuwendung bedarf.“ Auch die Täter hätten Anspruch auf einen anständigen Umgang. Hilfreich sei hier die Frage: Wenn es nun mein Bruder wäre, mein Sohn? Die Täter würden an einer Krankheit leiden, die in der Regel nicht heilbar sei. Deshalb können sie nicht länger als Seelsorger tätig sein – zu einem „sozialen Tod“ durch völlige Isolation dürfe man die Täter dennoch nicht verurteilen.
Müller ist der Überzeugung, dass sich die katholische Kirche wirklich auf den Weg gemacht hat, um den Opfern sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Priester gerecht zu werden. Mit dem Ziel, solche Taten in Zukunft zu verhindern. Damit könne die Kirche allmählich ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, die ihr größtes Kapital sei.
Während Wunibald Müller bei seinen Zuhörern um Vertrauen und Unterstützung für die krisengeschüttelte katholische Kirche wirbt, fordern vor den Zugängen zum Gemeindezentrum Anhängerinnen der „Freien Christen“ die Besucher auf, wegen der ständigen Kirchenskandale aus der Kirche auszutreten.
Wunibald Müller wurde 1950 in Buchen geboren. Er studierte Theologie und Psychologie in Freiburg im Breisgau, Würzburg und Jerusalem. 1984 promovierte er mit dem Thema „Homosexualität – Eine Herausforderung für Theologie und Seelsorge“. Seit 1991 leitet er mit Pater Anselm Grün das Recollectio-Haus in Münsterschwarzach.
Sonntagsblatt vom 25. AprilKirchenfernen die Türen öffnenDie Krise der Kirche hält auch Chancen bereit, machte Bischof Joachim Wanke bei einem Vortrag auf Einladung der Kath. Erwachsenenbildung Schweinfurt im Pfarrheim von St. Peter und Paul den Zuhörern Mut. Die Kirche müsste den Anfragen standhalten und zur kritischen Selbstreflexion Anlass nehmen. Dafür sei vor der Verkündigung der Botschaft Jesu für Andere ein Leben nach dem Evangelium nötig. Das gilt für jeden Einzelnen, also auch für ihn, bemerkte der Erfurter Bischof selbstkritisch.
Mache die Kirche die unbegreifliche Wirklichkeit Gottes ausreichend zum Thema, fragte Wanke. Niemandem dürfe der Weg zu Gott durch die Kirche versperrt werden. Kirche sei nur das Instrument, das die Melodie Gottes spielen soll, sie sei nicht der Komponist, warnte Wanke. Ihr Auftrag sei es, Menschen in den Segen Gottes hinein zunehmen. Dazu sei es nötig, Anknüpfungsmöglichkeiten für die Botschaft Gottes heute zu erkunden. Der Ritus dürfe die Lebendigkeit Gottes nicht verstellen, Glaube nicht zur reinen Lehre verkommen. Vielmehr sei im Anderen der Anruf Gottes zu entdecken. Wanke warb für eine Grundsympathie mit allen Menschen. Besonders für die, die den Kontakt zur Kirche verloren hätten, müssten Türen wieder geöffnet werden.
Schweinfurter Tagblatt/Volkszeitung vom 11.3.09Scheele ruft zu mehr Ökumene auf
Schweinfurt (kal) Einen Vortrag zur Ökumene hat der Würzburger Altbischof Paul-Werner Scheele auf Einladung des katholischen und evangelischen Bildungswerks in Schweinfurt gehalten. „In den letzten Jahrzehnten ist in der Annäherung der christlichen Kirchen mehr passiert als in Jahrhunderten zuvor“, erklärte der ehemalige Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz. Als Beispiele habe Scheele die gegenseitige Anerkennung der Taufe genannt, so eine Pressemitteilung des Dekanats. Der Altbischof betonte mit Blick auf das Paulusjahr, dass die Einheit der Kirche das oberste Ziel bleiben müsse. Solange es keine Einheit der Kirche gebe, könne keine der Konfessionen die Kirche Jesu Christi „im eigentlichen Sinn“ sein. Scheele forderte alle Getauften auf, sich für die Ökumene einzusetzen.
Schweinfurter Tagblatt/Volkszeitung vom 24.3.09Ein Bild von PaulusSensationsfund
Schweinfurt (b) Es war eine kleine Sensation, die Andreas Puchta auf einem Vortragsabend vom Katholischem und Evangelischem Bildungswerk präsentierte. Der Museumspädagoge des Germanischen Nationalmuseums entwarf ein Bild des Apostels Paulus aus archäologischen und kunstgeschichtlichen Quellen. Erst vor kurzem hatten Archäologen bei einer Grabung in einer unterirdischen Begräbnisstätte in Rom ein farbiges Bildnis gefunden, das den Völkerapostel darstellt.
Fachleute datieren die Abbildung auf die Zeit vor dem Jahr 220. Damit ist sie die älteste bekannte Darstellung. Sie zeigt einen schwarzhaarigen Mann mit Bart. Diese Darstellungsweise wurde prägend für die frühchristliche Kunstgeschichte und dürfte das tatsächliche Aussehen des Paulus wiedergeben. Da die Ergebnisse der Ausgrabung noch nicht veröffentlicht sind, waren die Zuhörer bei den ersten, die das Bild zu Gesicht bekamen.
Schweinfurter Tagblatt vom 19.12.07Ehrlich und aufmerksam zuhörenGesprächsführungskurs eine echte Wohltat
Schweinfurt (b) „Es ist eine echte Wohltat, die ich empfinde, wenn mir jemand aufmerksam und ehrlich zuhört“, sagte eine Teilnehmerin des Einführungskurses in das helfende Gespräch. Bereits zum fünften Mal hat die Kath. Erwachsenenbildung in Kooperation mit dem GesprächsLaden diesen Kurs unter Leitung von Robert Bundschuh und Marieluise Wrobel angeboten.
Zwölf Männer und Frauen hatten sich aus unterschiedlichen Motiven entschlossen, sich beruflich, privat oder für ein Ehrenamt weiterzuqualifizieren. In einer guten Mischung aus Theorie und Praxis erlebten die Teilnehmer die Wirkung eines guten Gesprächs. Dem Gegenüber Aufmerksamkeit schenken, durch eine bildhafte Spiegelung das Gehörte wiederzugeben und dadurch die Wertschätzung des anderen auszudrücken, hat die Kursteilnehmer fasziniert. In Übungsgesprächen und Rollenspielen erlebten die Männer und Frauen Herzlichkeit und Nähe in der Gruppe. Der schützende Rahmen erlaubte es, sich weniger einfühlendes Gesprächsverhalten, wie zum Beispiel Anliegen zu bagatellisieren, bewusst zu machen und zu korrigieren.
„Der Kurs brachte mich in Berührung mit mir selbst; mein Selbstwertgefühl ist gewachsen und auch meine Zuversicht in Gesprächen Hilfe schenken zu können“, sagte ein Teilnehmer. Die meisten Teilnehmer nehmen am Aufbaukurs im Januar teil. Ein neuer Grundkurs beginnt im Februar. Informationen: ( 20 79 55.
Querdenker fördern und Fehler als Lernchance begreifenVortragsabend: „Welche Zukunft hat die Kirche?“
HOCHFELD (CPG) Zu einer "lernenden Organisation" müsse sich die Kirche entwickeln, verlangte Pastoraltheologe Dr. Klaus Roos bei seinem Vortrag "Welche Zukunft hat die Kirche?" im Pfarrsaal von St. Peter und Paul. Es gehe dabei nicht um die Lösung der Frage, ob Kirche überhaupt Zukunft hat, sondern darum, welche Zukunft sie haben wird.
Von den grundlegenden gesellschaftlichen Entwicklungen während der zurückliegenden 50 Jahre ausgehend, zeigte der Referent Veränderungen im Kirchenbild auf, vom "Haus voll Glorie" zum "Schiff, das sich Gemeinde nennt", von der "perfekten Gesellschaft (societas perfecta)" zum "wandernden Gottesvolk“.
Klaus Roos, früher Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung, warnt vor der Gefahr der "petrifizierten (=versteinerten) Kirche", die nicht in der Lage sei zu erkennen, dass sie anstatt Feuer weiter zu geben, Asche hüte.
Kriterien für eine Zukunft der Kirche sind nach seiner Ansicht die Rückgewinnung, der mystischen Dimension in den Gemeinden im Gegenzug zur aktionistischen Betriebsamkeit, ebenso die Erkenntnis, dass am Anfang die Gnade steht und der Glaube nicht mit Moral identisch ist und schließlich die radikale Hinwendung zum Menschen, der wichtiger als die Tradition ist.
Tatbestände, wie nachlassende Kirchenbindung, Individualisierung und ständige Herausforderung zur Entscheidung, seien prägende Faktoren im täglichen Leben der pluralistischen Gesellschaft, die verlange, dass jeder den Fleckerlteppich seiner Lebensgeschichte selbst entwirft Diese Freiheit zur Wahl wirke sich letztlich auf den Glauben des einzelnen aus, so Roos.
Konkrete Entwicklungschancen für die jeweilige Gemeinde sieht Klaus Roos, wenn diese sich bewusst zu einer "lernenden Organisation“ mit ständigen Feedback-Prozessen, entwickelt. Der Mut zur Wahrheit als christliche Tugend stehe dabei im konträren Gegensatz zur häufig noch immer unzutreffenden Unkultur des Schönfärbens. Zur lernenden Organisation gehöre ebenso, dass sie Querdenker fördert und Fehler als Lernchancen begreift.
Trotz hohem, personellem Einsatz, so Roos, sei allenthalben ein Mangel an visionärer Kraft und resignative Grundstimmung in den Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen festzustellen. Das große Spannungsfeld zwischen Untergangsstimmung und Erneuerungshoffnung sei ein Appell zum Aufbruch, der sowohl in der Mentalität wie auch strukturell Konsequenzen nach sich ziehen müsse, verlangte er.
Schweinfurter Tagblatt vom 2.11.04Esoterik als Chance und HerausforderungVortragsabend mit Pfarrer Alfred Singer
HOCHFELD (CPG) Defizite im Angebot der Kirchen hat Pfarrer Alfred Singer in seiner Funktion als Beauftragter für Weltanschauungs-, Religions- und Sektenfragen der Diözese Würzburg zu Teil verantwortlich gemacht für die Faszination eines großen Publikums an esoterischen und mystischen Themen sowie Praktiken und Glaubensvorstellungen aus asiatischen Religionen.
Für ihn ist sie gleichzeitig Herausforderung und Chance der christlichen Gemeinden, um die spirituelle Sehnsucht der Menschen aufzugreifen und Angebote zu gestalten. Das betonte er bei seinem Vortrag im Pfarrsaal Peter und Paul.
Pfarrer Singer spricht vom Trend, wonach nicht wenige Menschen aus esoterischer und fernöstlicher Spiritualität leichter Wegweisung und Lebenshilfe annehmen als aus dem christlichen Glauben zu erwarten. Die New-Age-Bewegung propagiere den Beginn des Wassermannzeitalters mit einer neuen Spiritualität und globalem, ganzheitlichem Denken. Aus der Erwartungshaltung des Publikums habe sich ein riesiger Dschungel von esoterischen Angeboten entwickelt.
Festzustellen sei, dass dieser Wandle zum Markt der spirituellen Möglichkeiten nicht dem ursprünglichen Anspruch der Esoterik entspreche, nämlich Geheimwissen auf dem Weg nach innen zu sein, mit dem Ziel der Selbstwerdung (Individuation), Bewusstseinsänderung und der Erfahrung der inneren Dimension der Wirklichkeit.
Interessierten würden viele Wege gezeigt, um erfolgreich auf der Suche nach Sinn und Erfüllung zu sein. Die Möglichkeit personelle Erfahrungen im spirituellen Bereich zu machen, spiele eine wichtige Rolle, vor allem aber die, zu Teil verlockenden, Angebote auf den Esoterikmessen. In Bezug auf den christlichen Glauben könnten verschiedene Praktiken und Lehren durchaus geeignet sein, so Pfarrer Singer, ein „heilsames Gewissen“ beim einzelnen zu erzeugen. Er warnt jedoch davor, dass durch sie Glück machbar sei.
Singer zog Parallelen zwischen esoterischen Praktiken und verkrampftem Glaubensvollzug, wie er teilweise in den Gemeinden anzutreffen sei. In beiden Fällen fehle die Haltung, das Heil als Geschenk anzunehmen. Wichtig sei die Bereitschaft anzuerkennen, dass man sich nicht selbst erlösen kann, sondern der Erlösung bedarf.
Die Herausforderungen der esoterischen Strömungen aufzugreifen bedeute, dass Angebote der christlichen Kirchen den spirituellen Ansprüchen der Menschen besser gerecht werden. Pfarrer Singer rät, den Erfahrungsschatz christlicher Mystik wieder zu entdecken. Er sei massiv zurückgedrängt worden. Deshalb habe sich ein Vakuum bilden können, das durch esoterische Praktiken aufgefüllt wird.
Einmütigkeit statt EinheitlichkeitMartin Ebner entwickelt: Visionen für Papstamt
HOCHFELD 11.10.04 (CPG) Provokant genug war schon die Ankündigung zur Vortragsveranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung im Pfarrsaal St. Peter und Paul: „Verhindert ein Papst die Ökumene?" Der Referent, Professor Dr. Martin Ebner, setzte dann noch eins drauf als er unumwunden bemerkte – „Ich könnte von mir nicht behaupten, ein Papst-Fan zu sein".
Warum, wieso ließ er dann auch die zahlreichen Zuhörer die Gründe wissen: inhaltliche Distanz zur römischen Kurie und Verärgerung über römische Dekrete. Gleichzeitig bezeichnete er den derzeitigen Papst als Charismatiker, dem es bei seinen Auftritten mühelos gelinge, ein Millionenpublikum zu aktivieren und somit Femseh-Shows locker zu übertreffen.
Das war Sprengstoff genug, ein loderndes Feuerwerk zu gründen. Aber der aus Schweinfurt stammende und derzeit an der Universität Münster lehrende Neutestamentler Dr. Martin Ebner hatte keineswegs vor, in die Rolle des eloquenten Kirchenkritikers zu schlüpfen. Vielmehr griff er auf die neutestamentlichen Texte zurück, um aufzuzeigen wie, das Petrus- oder Papstamt in der Zukunft aussehen könnte.
Trotz kritischer Vorbehalte räumte er dem Petrusamt viele Chancen ein. Als aktuelles Beispiel nannte Ebner den jüngsten Irakkrieg, gegen den ein Teil der Christenheit mit der mahnenden Stimme von Johannes Paul II. habe sprechen können. Das sei ein großer Vorteil.
In seinen kritischen Ansätzen wandte sich Ebner gegen die Machtfülle, über die eine Person im Papstamt verfüge und gegen den diffusen Machtapparat im Vatikan insgesamt. Das Petrusamt als Dienstamt zu gestalten und in Wahrheit und in der Liebe zu führen, habe der derzeitige Amtsinhaber in einem Lehrschreiben selbst gefordert. Dabei sollten, so Professor Ebner, der brüderliche Dialog und der Blick auf die Glaubenden verbindlich sein.
Ähnliches sei in den Texten der christlichen Urgemeinde hinlänglich belegt, wenn es um die beiden unterschiedlichen Apostelgestalten Petrus und Paulus gehe. Professor Ebner sprach dagegen, sich auf eine Leitfigur einschwören zu lassen. Statt Einheitlichkeit herzustellen, sollte man zu einer Einmütigkeit kommen, verlangte er. Das bedeute wiederum, eine Streitgesprächkultur zu entwickeln.
Ebner skizzierte Vorstellungen über die Ökumene. Danach sollen die christlichen Stammkirchen eine ökumenische Kirchengemeinschaft bilden, ohne in einer einzigen Gesamtkirche (Universalkirche) eingeordnet zu werden. Das erfordere eine grundlegende Bewusstseinsänderung, die sich nicht an vorgegebenen hierarchischen Strukturen orientieren könne. Das Christentum definierte er als Angebot, das Leben zu bestehen, deshalb bestehe Handlungsbedarf im Gegensatz zu einer Religion, in der man weiß, was man tun müsse.
Der Referent zeigte sich optimistisch, dass nicht erst wieder Jahrhunderte verstreichen müssen, um zu konkreten Ergebnissen zu kommen. Dafür sei die aktuelle Situation der Kirche zu brisant. Faktoren, die eine Veränderung beschleunigen, seien von außen bereits wirksam, sagte Professor Ebner. Dabei nannte er vordergründig die finanzielle Entwicklung insgesamt, die vor den Kirchen nicht Halt mache.
Bei der Begrüßung hatte Pfarrer Paul Hilbert an den 40. Gründungstag der Pfarrei St. Peter und Paul erinnert, der in diesem Jahr begangen wurde. Dazu gehöre auch der Vortragsabend mit Professor Ebner am Beginn einer dreiteiligen Vortragsreihe, die an den nächsten beiden Dienstagen (12..und 19. Oktober, jeweils 19.30 Uhr im Pfarrsaal St. Peter und Paul) fortgeführt wird mit Dr. Klaus Roos (ehemaliger Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung), der zum Thema „Welche Zukunft hat die Kirche?“ sprechen wird und Pfarrer Alfred Singer (Beauftragter der Diözese für Weltanschauungsfragen), der über die Herausforderung der Gemeinden über Esoterik, Mystik und fernöstliche Religionen referieren wird.
Schweinfurter Tagblatt vom 21.05.04Mut für ein befreites LebenDer Theologe Dr. Eugen Drewermann interpretierte das Johannes-Evangelium
Von MANFRED HERKER
Die katholische Kirche wollte ihn mundtot machen, suspendierte ihn vom Priesteramt. Doch Dr. Eugen Drewermann, der wohl bekannteste Theologe der Gegenwart, hat überall seine eigene Gemeinde. Auch in Schweinfurt: Auf einer Veranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung und des Evangelischen Bildungswerkes im ausverkauften Evangelischen Gemeindehaus lauschte eine ökumenische, Frauen dominierte, Zuhörerschaft seiner packenden Zwei-Stunden-Predigt. Denn Grundlage der mit „Denn der Geist weht, wo er will“ überschriebenen Ansprache sind die in „Wortgottesdiensten“ in einem Paderborner Gymnasium gehaltenen Predigten, in denen Drewermann das Johannes-Evangelium interpretiert.
Danach lautet die Botschaft des Johannes: Zu sich selbst finden kann nur, wer auf ein Gegenüber trifft, das ihn leben lässt und ihn aus reiner Güte akzeptiert. Wir Menschen bedürfen eines menschlichen Gegenübers, um unsere eigene Menschlichkeit zu finden. Unter dieser Perspektive könne unser Leben noch einmal ganz neu beginnen: durch eine befreiende Menschlichkeit.
Das Christentum sein eine Erlösungs-, ja eine therapeutische Religion, mit deren Kraft sich unsere Blickachse um 180 Grad zu drehen vermöge. Eine solch neue Betrachtungsweise sei auch, die Welt und ihre Menschen nicht länger in Gut und Böse einzuteilen. Und mit scharfen Worten geißelte Drewermann die unmenschliche Politik der amerikanischen Bush-Regierung und ihre Drohung: „Die Welt soll kennenlernen, was amerikanische Gerechtigkeit ist.“ Dazu US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld: „Die Gefangenen in Guantanamo Bay haben keinerlei Recht.“ Der Barbarei dieses Denkens setzte Jesus eine radikale Umkehr entgegen: Barmherzigkeit und Güte statt Verbreitung von Angst, Folter und Terror.
Drei Beispiele aus dem Johannes-Evangelium verdeutlichen dieses. „Die Heilung des Gelähmten“ bedeutete für uns, dem Anderen, dem Bedürftigen, in Ruhe zuzuhören, ohne ihn zu bewerten. Entscheidend sei die Frage – an uns alle: „Willst du gesund werden?“ Sie beinhalte letztlich: „Kannst du dir vorstellen, ab heute ganz anders zu leben?“ Denn der Schlüssel zu einer neuen, besseren Welt liege in jedem von uns selbst.
„Wer unter euch ohne Sünde ist“ zeigt, wie barmherzig Jesus mit der „Sünderin“ umgeht. Jesus widerspricht auch der absoluten Gültigkeit des Gesetzes, weil dann jeder Mensch daran zerbrechen würde. Die Einteilung in Gut und Böse sei eine Illusion, in Wahrheit gebe es letztlich nur irgendwo gescheiterte Menschen. „Je klarer Sie Ihr Leben sehen“, wendet sich Drewermann an seine Zuhörer, „desto schneller werden Sie erkennen, wie gefährdet auch Sie sind, schlimme Fehler zu begehen.“
Schließlich: „Wer mein Wort hält, wird den Tod nicht schauen.“ Dazu Drewermann: Alle Angst vor dem Tod sei letztlich Angst nicht geliebt und isoliert zu werden. Doch das Johannes-Evangelium antwortete: Es gibt keinen anderen Weg den Tod zu überwinden als die Liebe. Sie verneint auch die Einteilung in ein Reich der Lebenden und in ein Reich der Toten. Im Reich der Liebe seien wir – wohl mit einem gewissen zeitlichen Abstand – auf immer zusammen.?

Einfach dufte – Gerüche in der Bibel
Parfümeur Peter Wörner stellt Heilige Schrift aus einer ganz anderen Sicht vor
Von EVA-MARIA VOGEL
SCHWEINFURT (im Mai 2003) Parfümeur Peter Wörner, mittlerweile im Ruhestand, bringt in Vorträgen - wie bei der Katholischen Erwachsenenbildung in Schweinfurt - zusammen mit seiner Frau Gisela seinen Zuhörern die in der Bibel genannten Gerüche nahe.
"Den entscheidenden Impuls für diese Aufgabe erhielt ich als Neunzehnjähriger in einer amerikanischen Gemeinde," erinnert sich der bekennende Christ Peter Wörner im Gespräch mit unserer Zeitung. Damals nahm er am Sonntagsunterricht teil, einem Bibelkurs der Methodisten, um den Menschen den Glauben näher zu bringen.
Dort lernt Wörner einen Mann kennen, der sich sehr für sein Wissen über die Parfümerie interessierte. Beim nächsten Mal eröffnete ihm plötzlich sein Gesprächspartner, dass es doch viel lebendiger wäre, biblische Texte mit den entsprechenden Düften nachzuempfinden.
Dieser Gedanke ließ Wörner nicht mehr los. So versuchte er herauszufinden, um welche Düfte es sich in der Bibel handelte, wie man diese am besten mit neueren Methoden herstellen könnte.
Er erläutert, dass im Tempel zur Zeit Jesus viele Fässer und Materialien gelagert wurden, damit die Tempeldiener nur eine Schale kostbaren Öls herstellen konnten. Allein schon aus wirtschaftlichen Gründen wäre diese Prozedur heute nicht mehr möglich. "Dank der Industrie können wir als Christen jedoch unseren Bedarf decken", stellt Wörner erleichtert fest.
Doch wie war es möglich, dass die Tempeldiener und Priester für nur so wenig Öl einen so großen Aufwand betrieben? Für die Menschen damals bedeutete das Öl den Teil einer göttlichen Gabe. Dieses wurde ausschließlich für religiöse Zwecke oder zur Salbung von Toten verwendet.
Dieses Verständnis ist notwendig, um die Verehrung Jesu zu begreifen, als er in Bethanien von einer Frau aus einem vollen Alabastergefäß mit kostbarem wohlriechendem Öl übergossen wurde (Math. 26, 6-13). Jesus hatte ihr entgegen ihrer Kritiker prophezeit, dass man sich noch lange, an ihre gute Tat erinnern werde. Wörner meint, dass die Mode von damals – zumindest was den Duft angeht - für unsere Nasen zweifelhaft erscheint. Dabei spielt er auf das Parfum von Maria an, als Jesus die Schwestern Maria und Martha besuchte. Diese habe einen Baldrianduft verwendet. Dabei frage sich Wörner, wie lange diese Mode sich habe halten können, doch er hat bisher dafür noch keine entsprechenden Quellen gefunden.
Der Duft als Verführung – gerade auf diesem Gebiet erscheint die Bibel als Expertin. So wird in Ester 2,12-13 beschrieben, wie jedes junge Mädchen ein Jahr lang auf die Begeg-nung mit dem König vorbereitet wurde. Die vorgeschriebenen Behandlungen unter anderem mit Myrre-Öl und mit Balsamöl sowie anderen Pflegemitteln dauerte allein sechs Monate. Erst dann durfte das Mädchen zum König gebracht werden.
Sind Weihrauch, Öle oder Myrre Düfte, die die Menschen zu Ehren Gottes darbrachten oder will Gott selbst, dass die Menschen ihn so verehren? Gisela Wörner belegt, dass Gott selbst die Menschen beauftragt, ihn mit bestimmten Düften zu verehren. Als Beweise führt sie das 2. Buch Moses 30,22-38 an. Dort gibt Gott Moses genaue Anweisungen, wie er heiliges Salböl herstellen soll sowie genaue Angaben zur Herstellung des Räucherwerks. Peter Wörner erläutert: "Immer wieder stoße ich auf Stellen in der Bibel, in denen man versucht Gott durch Düfte gnädig zu stimmen." Er führt Phil. 4,18 als Beweis an: "Ich habe alles erhalten und habe Überfluss. Ich habe in Fülle, nachdem ich durch Epaphroditus empfangen habe, was von euch gekommen ist: Ein lieblicher Geruch, ein angenehmes Opfer, Gott gefällig.“ Im 1. Buch Moses 8,18-22 wird beschrieben, wie Gott den lieblichen Geruch roch, den Menschen ihre Sünden verzeiht und sie nicht mehr mit Umweltkatastrophen heimsucht.
Auch im Neuen Testament wird Gott beschrieben, "der uns allezeit im Triumphzug umherführt in Christus und den Geruch seiner Erkenntnis an jedem Ort durch uns offenbart.“ Die Gemeinschaft wird als ein „Wohlgeruch Christi für Gott“ bezeichnet (2.Korinther, 15), wobei die Geretteten als ein Geruch vom Leben zum Leben geschildert werden. Gerade diese Zusammenhänge machen deutlich, wie eng verzahnt Duft und Bibelaussagen miteinander sind. Immer wieder hebt die Bibel Gerüche hervor, die symbolisch für Taten stehen. So steht im Psalm 141,2: „Mein Gebet möge vor dir gelten als ein Räucheropfer.“
Auch Beziehungen unter Menschen werden gerne mit Düften verglichen. Psalm 133, 1-2
„Siehe wie fein und lieblich ist`s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Es ist wie das feine Salböl auf dem Haupt Aarons, das herabfließt in seinen Bart und zum Saum seines Kleides, wie der Tau, der vom Hermon herabfällt auf die Berge Zions.“ Peter Wörner stellt fest, diese Haltung habe sich auch in unserem Sprachgebrauch erhalten. So würden auch wir sagen, wir könnten uns nicht riechen, wenn wir uns nicht verstehen.